von Hans-Jürgen Hilbig

Morgens wacht die Wirtschaft ungeduldig auf. "Schnell, schnell, ein Spiegel", ruft sie. Hustenbonbons kleben am Boden. Sie stolpert drüber. Scheint ein bisschen tollpatschig zu sein, die Wirtschaft. Kommt von den vielen Drogen, die man ihr einspritzt, weil ihr danach verlangt.

Die Augen geöffnet, steht sie vorm Spiegel: "Scheiße, mir gehtís immer noch schlecht", sagt sie und legt sich wieder ins Bett. Bewegt sich heute nicht mehr.

Arme Wirtschaft, niemand kümmert sich um sie, niemand tut etwas. Und im Traum ist sie längst ausgewandert. Menschen stehen dort in der Fremde Schlange, um sich knechten zu lassen, bluten zu lassen, das Leben zu lassen. Was ist schon ein Leben gegen eine gesunde Wirtschaft!

Die Menschen sollen mehr kaufen und arbeiten, sie sollen Geld ausgeben, das sie bald gar nicht mehr verdienen und sie haben auch gar keine Zeit mehr, denn schon winkt die 40-Stunden-Woche von weitem. Ich kann mich an ein Bild des DGB erinnern, da sah man einen glücklichen Arbeiter, der für die 35-Stunden-Woche kämpfte und in naher Zukunft winkte die 30-Stunden-Woche! Doch daran glaubten die Gewerkschaften nie wirklich, oder?

Jetzt jedenfalls nicht mehr. Sie sind still, still wie unser Hamster, wenn er schläft. Aber unser Hamster hat keine Macht, er kann nicht sagen: "Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will." Bei jedem Streik schütteln die anderen die Köpfe und können einfach nicht begreifen, wie man in diesen schlechten Zeiten streiken kann.

Die Wirtschaft liegt bäuchlings auf der Matratze. Die Augen hält sie geschlossen.

Zum Fest der Liebe werden wieder eine Menge Menschen entlassen werden, ein paar Zahlen tauchen auf und wer sich darüber aufregt, ist ein alter Verblendeter. Die Knechtschaft wird fortgesetzt. Es wird mit Menschen gehandelt, als wären es Hamster und eigentlich ist auch das Handeln mit Hamstern nicht in Ordnung.

Irgendetwas läuft völlig schief. Schließen wir die Augen und sehen wir nicht hin. Wer hindert uns daran?
 

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