Dramenwege, drei davon

Des Ninusí Grab, es ist mit Federn
von fremden Vögeln fahl geschmückt.
Drum lachen unbedacht die Zedern,
und scheint der kalte Mond entrückt.

I.
Ein Schleier fällt zerstört zur Erde,
die Löwin reißt, zerfetzt und brüllt.
Ein schwarzes Rind verstirbt der Herde,
der Mond, er hat sich selbst verhüllt.

Er hält die Liebe für zerbissen,
ein Dolch zerreißt das müde Herz.
Sie mischt ihr Blut mit spätem Wissen
um einen schlechten, schwarzen Scherz.

II.
Die Hand, sie hält den feigen Schleier,
der von der Schulter gleiten will.
Die Löwin trinkt, es spielt die Leier,
und friedlich ist die Nacht- und still.

Der Liebste kommt zu sichren Zeiten
und Thisbe küsst die Stirn bald leis.
Der Mond bescheint verstummt die Weiten,
die Frucht des Baumes bleibt nun weiß.

III.
Die Mauer ist schon längst zerfallen,
zu grauem Sand und bald zu Staub-
und weinend, ohne Kraft die Krallen,
so wird die Löwin blind und taub.

Was ist die Thisbe alt geworden!
Und Pyramus, den plagt die Gicht.
Das Treffen plant man immer morgen.
Wie stets: sie wagenís heute nicht.
 

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